Imaginierte Räume und genommene Illusionen

 

Nachgetragene Rezension über eine sehr kurze Ausstellung mit dem Titel OPTIKUM QUADRAL II in der Motorenhalle Dresden. Es handelte sich um eine Soundinstallation, folgt man dem Pressetext. Vor Ort begegnete einem eine großformatige Videoinstallation und „Randerscheinungen“ im Spotlicht.

Die eindrucksvollen Bildsequenzen auf der großformatigen Leinwand zogen sofort alle Aufmerksamkeit auf sich. Ein kleiner schwarzer Hocker steht davor, umstellt von fünf Boxen zu jeder Ecke und frontal Sound 5.1. Mit statischer Kameraeinstellung, zeigen die Bilder zwei minimal handelnde Figuren, eine weiblich, eine männliche, mal umhüllt von schwarzer Plastik, mal nackt, auch mal im rosa Skianzug. Die Figuren bewegen sich abstrakt von Bildhintergrund zu Bildvordergrund und wieder zurück oder operieren in den kurzen Einstellungen mit obskuren Gegenständen.

Die reduzierten und strengen Bewegungen spielen sich in einer menschenverlassenen, hügeligen Landschaft, im tiefen Wald zwischen Felsenspalten und uralten Bäumen oder auf einer Baustelle ab. Gewiss man sollte die Gesamtlänge des Videos anschauen um über eine „Geschichte“ oder „Botschaft“ sprechen zu können. Doch die eigentliche Geschichte spielt sich in den Zwischenräumen, im eigenen Kopfkino ab, genau dann wenn der Schnitt zwischen zwei Einstellungen kommt. Die poetischen Bilder lassen genug Imaginationsräume, voraus gesetzt man will solche ohne Erklärung begehen.

Einer der Künstler ist anwesend und bekräftigt die improvisierte Situation beim Dreh. Da ist keine auszudrückende Intention, kein Konzept bei einer solch umfangreichen Arbeit? Nein, eher die Motivation aus Wenigem etwas zu machen. Die Soundschnipsel wären schon da, deshalb auch die Bezeichnung „Soundinstallation“. Der Sound sollte also in der Entstehungsphase die inneren Bilder herstellen. Die bildenden Künstler interpretierten den Sound und bis auf wenige minder qualitative Bilder, schufen sie eindrucksvoll ein Meer an Bilderrätseln. Ohne den Sound hätte man den Bildern in ihrer Gesamtheit kaum folgen können. Es bleibt bei den ästhetischen Bildern, welche die Aufmerksamkeit eher noch auf sich ziehen, so dass der Sound als Untermalung wirkt, obgleich doch genau das Gegenteil der Fall ist. Möglicherweise hätten kleine Monitore ausgereicht oder der Sound über die gesamte Halle angelegt werden sollen. Die Gewichtung wäre dann eindeutiger.

Die geheimnisvollen Bildinhalte und ihre klare Form- und Farbsprache reizen in der Betrachtung. Man fragt sich durchaus, was sind das für Gegenstände, wie funktionieren die, was symbolisieren sie und plötzlich sind Illusionen genommen. Im Ausstellungsraum erscheinen am Rande, im Spotlicht jene Gegenstände – „die Requisiten“. Gut, die „Antennen“ kann man als Zeltstangen identifizieren, doch es hätten auch meterlange Antennen sein können. Wofür wir die Gegenstände gebrauchen und als solche identifizieren, spielt bei der Betrachtung keine Rolle. Die Wahrnehmung und deren Reflexion schon. Denn die Ungewissheit über die(/im Erkennen der) Objekte in Kombination mit den skurrilen Bewegungsmustern der Figuren sind faszinierend. Und funktioniert hätte die Installation definitiv auch ohne „Requisiten“ im Spotlicht.

 

Mit Dank an Denise!

http://optikumquadral.de

 

Zuerst veröffentlicht auf CYNAL.DE