Während der Schulzeit war ich Chorsängerin im Dresdner Kinder- und Jugendchor, lernte Flöte und Gitarre spielen und war in der Theatergruppe. In Kanada nahm ich privaten Zeichenunterricht, erhielt Auszeichnungen in den Fächern Kunst und Drama und lernte Bassklarinette spielen. Mein Ur-Großvater Gottfried Kleinig war 1. Cellist im Philharmonischen Orchester, meine Großmutter stand auf der Bühne als Sängerin und singt heute noch im Chor. Die Voraussetzungen für meine aktuellen Forschungsfragen finden sich genau hier: Im Künstlerisch-musischen – im Traum, der Imagination und Kontemplation – in den Spähren, die einer rein objekt-wissenschaftlichen Praxis wesensfremd sind, aber genau die Art von Phänomenen sind, welche in letzter Zeit (in medienkulturwissenschaftlichen Kontexten) wieder vermehrt Aufmerksamkeit finden.

Das Curriculum während des Bachelorstudium war sehr eng abgesteckt und auch das Lehramtsstudium ließ inhaltlich nur wenig Raum für Studien abseits des Faches im humboldtschen Sinne. Umso mehr erfreute ich mich an dem Freigeist an der Hochschule für Bildende Kunst in Dresden. In der Bildhauerei arbeitete ich mit unterschiedlichsten Materialien und lernte verschiedene Schweißtechniken und Abgussverfahren kennen. War die Idee einmal skizziert, brauchte es Wochen bis die Plastik ihre endgültige Form fand. Meine Plastik Flirtline_v2 erinnerte an klassische Gipsfiguren, doch saß meine Figur auf einem Turm aus alten Rechnern und hatte ein abgebrochenes Bein an deren Stumpf Kupferdrähte hervorstachen. Anstatt eines Kopfes trug sie einen Monitor auf dem Hals mit blickender Bitte um Eingabe. Schließlich zerschlug ich die lebensgroße Plastik als mir klar wurde, dass ich meine Zeit auf anderes verwenden wollte als monatelang an einer starren Plastik zu arbeiten. Was mich tatsächlich an der Bildhauerei interessierte, war nicht das Fertigstellen von Skulpturen, sondern das Plastische der Materie an sich und ihre räumliche Ausdehnung auch als Qualität des Denkens.

Angetrieben von philosophischen Fragen zu menschlicher Wahrnehmung, Rhythmik und Zeitgefühl sowie meinen Erfahrungen in der Technokultur entstand mein erstes Experiment in der Animationstechnik. Dieses wurde in der Galerie für Zeitgenössische Kunst in Leipzig in der Ausstellung Experimentelle Animationsfilme gezeigt. Aufgrund dieser Arbeit bat mich Prof. Dammbeck in seine Fachklasse für Neue Medien. Bei ihm und dem Regisseur Hannes Hametner studierte ich Filmtheorie und Dramaturgie. Ich spezialisierte mich in Animations- und Videotechniken. Im Genre des audiovisuellen Bewegtbildes trafen sich philosophische Reflexion und Fragen der Vermittlungsästhetik. Wie ich meinen Erkenntnissen künstlerischen Ausdruck verleihen kann, den roten Faden in der Erzählung finde (und ihn wieder aus der Geschichte herausdrücke) um Erfahrung zu ermöglichen, beschäftigt mich bis heute. Mein zweiter Animationsfilm Nur der Schrei einer Katze! handelte von der Kluft zwischen objektiver, biologischer Erklärung und subjektiver, poetischer Empfindung von Verliebt-Sein. In einer Collagetechnik angefertigt, wurde dieser  im Jahre 2010 beim BackUp_Festival in Weimar nominiert.

Für beide Filme habe ich mit Musikern zusammengearbeitet. Die synästhetische Verbindung von Bild und Klang gleichzeitig ist bis heute prägend für meine Wahrnehmungsforschung. Alle experimentellen Animationsstudien „recycelte“ ich für Auftritte als VideoJockey im Kontext von Musikveranstaltungen und Tanzperformances wie bspw. mit dem Label Uncanny Valley oder dem deutsch-franszösichen Chor im Kongresszentrum Dresden im Jahre 2012. Außerdem produzierte ich ein Duzend Musikvideos für DJs und Bands sowie Teaserclips. Dank meiner handwerklichen Fähigkeiten im Bereich der Videotechnik und -bearbeitung konnte ich an sehr interessanten Aufträgen als Dokumentarfilmerin arbeiten, u.a. für das Tanznetz Dresden und den Deutschen Demokratiepreis. Vor allem die Zusammenarbeit mit Tänzern und deren Erfahrungswelt brachte eine neue, wesentliche Komponente in meinem Denken: Leiblichkeit. Wahrnehmung ist nur vom Leib aus zudenken und nicht zu trennen von körperlicher Ergriffenheit. Das kannte ich bisher nur als passive Immersion durch das Filmstudium.

Durch ein Erasmusstipendium konnte ich von Oktober 2010 bis Mai 2011 am Intermedia Department an der Hungarian University of Fine Arts in Budapest, Ungarn bei Allan Siegel studieren. In dieser Zeit schloss ich die Arbeiten an meiner bisher umfangreichsten Videoarbeit Projektionen einer Utopie ab. Die Sequenz aus sieben Tanz- und Architekturvideos handeln von Relationen: Die Kamera als Instrument war Objekt und Subjekt zugleich und führt einen Dialog mit den Tänzern. Die Tänzer spielten mit dem Raum. Die Unterscheidung von Nähe und Distanz von Mensch und Technologie sowie Körper und Raum schienen sich aufzulösen. Diese Arbeit konnte ich während des MorphonicLab X im Rahmen des TonlagenFestivals in Dresden ausstellen. Außerdem wurden sie am Collegium Hungarium im Rahmen des 3. Generation Ost Treffens in Berlin gezeigt und diskutiert. Als weitere ideelle Erfolge in diesem Zusammenhang zählen Ausstellungen wie Gedächtnis der Kunst in Relhovice, Tschechische Republik, Beteiligungen bei dem lAbyRinTh Festival in der OKNO gallery in Slubice, Polen, der internationalen Ausstellung OSTRALE und mehrfach beim Festival für computergestützte Kunst CYNETART in Dresden. Innerhalb meines Kunststudiums stellte ich zweimal im Oktogon der Dresdner Kunstakademie und im Kunsthaus Dresden, der Städtische Galerie für Gegenwartskunst aus.

Immer waren meine künstlerischen Projekte von philosophische Fragestellungen und wissenschaftlichen Studien begleitet. Die dreiteilige Perfomance KatA_LysAtor war bspw. inspiriert durch die Lektüre von Paul Virillio und geformt durch die Studien von Kybernetik bis System- und Informationstheorie. Von meine innerlichen Zerrissenheit zwischen der wissenschaftlichen Systematisierung und Formatiertheit zum Einen und der synästhetischen Wahrnehmung und subjektiver Erfahrung zum Anderen zeugt mein Diplomfilm Lust For Crisis, den ich auf einer selbstgebauten, gewölbten Leinwand zeigte. Ich bin begeisterungsfähig und wissensdurstig. Mit der Lust, etwas zu verändern, unerforschte Wege zu gehen, konnte ich mich manchmal nicht entscheiden, welcher Weg der Optimale ist. Ich glaubte oder vertraute so manches Mal nicht meiner eigenen Wahrnehmung und suchte oder orientierte mich an wissenschaftlichen Erklärungsmodellen.

Mit der Erfindung von verschiedenen Identitäten ergab sich für mich eine weitere Methode um mit den verschiedenen Perspektiven umzugehen. Mein Meisterstück Der unsichtbare Faden (seit 2003) ist eine webbasierte, interaktive und non-lineare Erzählung zur Bewusstseins- bzw. Zivilisationsforschung. Ich dialogisiere mit und über vier weitere Charaktere (Odo Tolkewitzer, Gerda Roth, Caroline Faux und K.) bestimmte Dinge, derer ich mir in der inneren und äußeren Welt gewahr werde. Ich bezog die vier Charaktere in den Schreibprozess mit ein. Sie sind Teil von mir und ein Instrument, um mir meine Wahrnehmung wahrnehmbar zu machen. Es handelt sich um Interpretationen von Welt und die Bemühung um Erkenntnis. Die Gleichzeitigkeit der unterschiedlichen Perspektiven und die Selbstbestimmung mit der ich meine Forschung bisher betreiben konnte, sind sehr prägend für meine Arbeitsweise. Die Verbindung und wechselseitige Beeinflussung der beiden Modi „praktisch“ und „theoretisch“ sind für mich nach wie vor essentiell.

Zuletzt fand schließlich noch mein Interesse an Mikrobiologie Resonanz in einer Reportage über das Phänomen der DIY Biology für den Sender arte.creativ. Die Aufträge als Videodokumentarin waren zwar allesamt sehr spannend und brachten mir eine Menge an Erfahrungen, jedoch waren der Zeitaufwand und das Ausmaß an Organisation enorm und die Einkünfte zu gering. Diese Nebenjobs nahmen mir schließlich die Zeit für meine Forschung.

In Gesellschaft

Im Jahre 2010 war ich federführende Mitbegründerin der damals deutschlandweit einzigartigen Plattform CYNAL – Neue Kunst im Dialog (http://de.encyclopaedia.wikia.com/wiki/Cynal). In diesem gemeinnützigen Verein war ich Vorsitzende und hatte die Redaktionsleitung inne. Die Rolle des zeitgenössischen künstlerischen Schaffens innerhalb der Gesellschaft zu stärken, Interdisziplinarität zu fördern und die Dresdner Kunstszene zu beleben, beschreibt meine Motivation zur Gründung dieser Plattform. Im Rahmen dessen habe ich u.a. zwei umfangreiche Print- Ausgaben herausgegeben und zwei internationale Ausstellungen kuratiert. Diese ehrenamtliche Tätigkeit umfasste oft mehr als 15 Wochenstunden. Ich unterhielt die Plattform als Medium auch um eigene Kritiken und Rezension zu veröffentlichen, doch mein ambitioniertes Ziel war sehr hoch gesteckt: Ich erstickte in administrativen Aufgaben und investierte mein eigenes weniges Geld in den Verein, so dass ich 2015 die Arbeit niederlegte.

Seid 2012 bin ich Vereinsmitglied bei der Trans-Media-Akademie Hellerau e.V. und moderiere dort ehrenamtlich die Veranstaltungsreihe TMA Will. Das Format behandelt Themen der integralen Wahrnehmungs- und Medienforschung. Zum ehrenamtlichen Mitglied der Facharbeitsgruppe Neue Medien im Amt für Kultur und Denkmalschutz wurde ich 2014 berufen. Zu meinen wesentlichen Aufgaben zählen dort die Abgabe von fachlichen Förderempfehlungen zu gestellten Anträgen auf Projektförderung und institutionelle Förderung. Als Ausgleich zu meinen universitären und gesellschaftlichen Aktivitäten praktiziere ich seit 2000 fast täglich Yoga und Meditation. Außerdem betreibe ich zweimal wöchentlich Kick-Boxen. Meine Hobbys sind ayurvedisch Kochen, Science Fiction Filme, Waldspaziergänge, Singen und Tagebuchschreiben.

Als wissenschaftlich-künstlerische Mitarbeiterin bei der Trans-Media-Akademie Hellerau e.V. war ich seid 2015 in der Redaktion des CYNETART Festivals tätig und für den Aufbau des TMA Labs mit verantwortlich. Dort lernte ich Ingenieure und Informatiker kennen und brachte mir autodidaktisch die Programmiersprachen Python und Java sowie Entwicklerumgebungen SuperCollider und Processing bei. Hier konnte ich mich mit technologischen Bedingungen und menschlicher Wahrnehmung weiter auseinandersetzen und meine eigene künstlerischen Forschungen fortsetzen. Nicht zuletzt meine Leidenschaft für Tanz und elektronische Musik sowie mein Interesse an therapeutischen und spirituellen Einflüssen aus meinem Elternhaus legen in Summe die roten Fäden hin zu meinem Dissertationsvorhaben. Mit meinem Kunstdiplom stellte ich einen Antrag auf eine Annahme als Doktorandin am Institut für Medienwissenschaft an der Bauhaus Universität in Weimar und wurde angenommen.

Dresden, den 23. Februar 2016